Die Freunde alter Menschen unterstützen ihren Schwesterverein in Warschau (mali bracia Ubogich) beim Aufbau von niedrigschwelligen Hilfeangeboten für Menschen mit gerontopsychiatrischen Veränderungen und deren Angehörige.
Die besondere Aufmerksamkeit gilt bei diesem Projekt den alten Menschen, die in irgend einer Weise Opfer des Nazi-Regimes in Polen gewesen sind, also Internierte von Konzentrationslagern, Zwangsarbeiter/innen und Widerstandskämpfer und andere.
Bei diesem Personenkreis ist die Gefahr von traumatischen Erinnerungen am Ende des Lebens besonders groß, insbesondere wenn dieser Lebensabschnitt mit einer demenziellen Erkrankung einhergeht (z.B. Alzheimer).
Wir wollen für diese Thematik sensibilisieren und mit Hilfe von vielen freiwilligen Mitarbeiter/innen ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungsangebot entwickeln.
Vorgesehen sind unter anderem Informations- und Besuchsreisen, Gruppenangebote für die Zielgruppe, ein Besuchsdienst sowie spezielle Schulungen für Freiwillige und professionelle Helfer zu dieser Thematik.
Oktober 2009: Besuch von polnischen Freiwilligen in Berlin
In Begleitung der polnischen Koordinatorin des Projekts waren 5 polnische Freiwillige 4 Tage in Berlin, um sich Angebote für demenzkranke Menschen in der Stadt anzuschauen.
Ganz oben auf der Agenda standen dabei natürlich die Wohngemeinschaften von Freunde alter Menschen. Eine polnisch sprechende Mitarbeiterin des beteiligten Pflegedienstes (vielen Dank noch einmal an Jadwiga Schwamberger!) berichtete unserem Besuch von der Herausforderung der Alltagsgestaltung und pflegerischen Versorgung der WG-Mitglieder, aber auch von den vielen schönen und befriedigenden Momenten, die die Arbeit in den Wohngemeinschaften bereit hält.
Jadwiga Schwamberger mit Klaus Pawletko, dem Geschäftsführer von Freunde alter Menschen und einer polnischen Freiwilligen
(v.l.n.r.)
Am nächsten Tag stand der Besuch des Heinrich-Grüber-Hauses in Zehlendorf auf dem Programm. Dieses Pflegeheim hat einen Arbeitsschwerpunkt auf der Versorgung ehemals rassisch Verfolgter und verfügt über eine lange Erfahrung im Umgang mit traumatisierten NS-Opfern. Auch hier gilt besonderer Dank der Heimleitung, Frau Reimer, die - ebenfalls mit einer polnischsprachigen Mitarbeiterin - einen lebendigen Eindruck der Arbeit Ihres Hauses vermittelte.
Der dritte Tag führte wieder zu einem Angebot von Freunde alter Menschen, dem Besuchsdienst für Menschen mit Demenz zur Entlastung pflegender Angehöriger. Unser Tempelhofer Standort organisiert diese Besuche im Rahmen der sog. niedrigschwelligen Angebote nach §45 der Pflegeversicherung seit 2007 und hat mittlerweile profunde Erfahrungen mit dem Klientel und der Schulung von Freiwilligen, die sich in diesem Bereich engagieren wollen.
zu Besuch bei Freunde alter Menschen in Tempelhof
Juli 2010: Alte Freunde aus Warschau kommen zu einem "Versöhnungstreffen" nach Berlin
Ein bisschen aufgeregt waren wir schon, als sich vier alte Freunde und ebenso viele Freiwillige von unserem Schwesterverein in Warschau bei uns zu Besuch angemeldet hatten.
Wie würde das Zusammentreffen mit unseren "Oldies" aus Berlin verlaufen? Wie tief sind noch die Ressentiments gegenüber den Deutschen, die während der Besatzung ja alles andere als einen guten Eindruck hinterlassen hatten? Wie würde die Verständigung funktionieren?
Es stellte sich schnell heraus, dass all unsere Sorgen unbegründet waren: Das Zusammentreffen der alten Menschen aus Warschau und Berlin verlief ausgesprochen herzlich und anregend. Dank unserer Dolmetscher (nochmals einen großen Dank an Jadwiga Schwamberger und Jacek Jackowski) klappte auch die Verständigung hervorragend.
Die Gespräche drehten sich vor allem um den Alltag in beiden Städten, um Familie, das Alleinsein, die Erfahrungen mit Freunde alter Menschen (bzw. mali bracia ubogich) und die persönlichen Biographien der Einzelnen. Es war schön zu erleben, dass das Verbindende ganz offensichtlich viel stärker war als unterschiedliche Erfahrungen und Lebenssituationen.


Polnische und Berliner alte Freunde beim angeregten Plausch
Als der Nachmittag vorüber war, hatten alle das Gefühl, dass man sich noch viel zu erzählen hätte. Aber allmählich machte sich auch Erschöpfung bemerkbar, denn das Hin- und Her-Übersetzen war doch auch ziemlich anstrengend. Man beschloss in Kontakt zu bleiben und sich auch einmal für den Besuch zu revanchieren, wenn es die Kräfte zulassen. Da machte sich dann schon bemerkbar, dass die Berliner alten Freunde doch um einige "Jährchen" älter waren als unsere polnischen Freunde.
So wurden auf jeden Fall Adressen ausgetauscht und noch ein schönes Gruppenfoto zum Abschied gemacht.
Dieses Projekt ist ermöglicht worden durch die Förderung der
Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft
